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„Business Model Engineering“ vs. „Business Engineering“

Business Model Engineering ist nicht gleich Business Engineering sondern vielmehr eine eigenständige und elementare Disziplin wenn es um die (Digitale) Transformation von Geschäftsmodellen bzw. Unternehmen geht. Warum das so ist, lesen Sie hier…

Lean Startup: Think like a serial entrepreneur – Einfach mal probieren…

Wie oft habe ich in den vergangenen Jahren versucht, unterbewusst, das perfekte Unternehmen oder Geschäftsmodell zu kreieren, mit dem im ersten Versuch gleich ein Maximum an Ergebnis generiert werden sollte. Der größte Teil der Ideen, und ich habe nächtelang an Businessplänen geschrieben, Powerpoint-Präsentationen erstellt, Excel- und Grafikschubserei gelebt und Mockups erstellt, hat es leider zu keiner vernünftigen Marktreife gebracht.

Die Ideen jedoch, die mehr oder weniger aus dem Bauch heraus entstanden waren, bspw. während dem Grillen die Idee eines Online-Shops für scharfe Saucen, und bei denen einfach mal in logischer Weise erste Ansätze abgearbeitet wurden, haben zu nachhaltigen und guten Ergebnissen geführt, auch wenn der Start mehr oder weniger holprig war, da letztlich bei jedem Startup bestimmte Formalitäten und gesetzliche Vorgaben eingehalten werden müssen. Und das sind schlussendlich die Ideen, an denen dann auch viel Herzblut hängt, da sie sich organisch bzw. natürlich entwickelt haben, ohne blasenartigen Kapitalzufluss oder dass die Ideen künstlich am Reißbrett entstanden worden waren.

Ich möchte damit nicht sagen, dass Businesspläne und wilde Excel-Spekulierereien keinen Sinn haben, aber es gibt auch die andere Seite, diejenigen, die es aus dem Bauchgefühl heraus einfach mal probieren. Viele Startups der letzten Jahre sind nicht zuletzt durch so einen Spirit entstanden und meist sind es junge Menschen, häufig Studierende, welche die Zeit und die Risikobereitschaft haben, einfach mal eine Idee zu verfolgen, während wir Berufstätigen um das monatliche Gehalt, den Status Quo, das Essen für die Kinder, etc. bangen bzw. es uns schlichtweg nicht mehr leisten können oder wollen. Aber auch für uns „Erwachsene“ ist der Zug noch nicht abgefahren, und vor allem nicht für die Dinosaurer in der Unternehmenslandschaft, die gerade in einem harten Wettbewerb mit kleinen, agilen Startups oder jungen Schwergewichten der Branche (bspw. Zalando vs. traditionelle Versandhäuser) stehen.

Schlesinger und Kiefer erwähnen in ihrem Buch „Just Start“, dass sich Entrepreneure zwar in ihrem Verhalten deutlich unterscheiden und keiner dem anderen gleicht, sie aber in ihren Denkstrukturen durchaus ähnliche Muster verfolgen und im Angesicht einer ungewissen Zukunft agieren die erfolgreichen Vertreter ihrer Spezies (vgl. hierzu auch Lean Startup) im Grunde wie folgt:

  1. Agiere in kleinen, smarten Schritten
  2. Warte und schaue, was Du daraus lernen kannst
  3. Baue auf das Erlernte auf und integriere es in den nächsten Schritt

 

Creaction
Abbildung: CREACTION – How to act in uncernainty (in Anlehnung an [ScKi12])

 

Smarte Schritte stehen für ein Handeln, basierend auf den gerade zur Verfügung stehenden Ressourcen. Dabei werden per Definition nie mehr an Ressourcen eingesetzt, was man sich auch zu verlieren erlauben kann. Vergleichbar ist dies bspw. mit dem Vorhaben 500 EUR in Vegas am Roulette-Tisch einzusetzen, gleichwohl mit dem Wissen, dass man auch bereit ist, einen Totalverlust hinzunehmen bzw. sich diesen erlauben kann. Der Creaction-Ansatz ähnelt sehr dem Ansatz von Michael Faschingbaur [Fasc10] der ein ähnliches Vorgehen von Unternehmern in ungewissen Situationen bzw. Vorhaben mit ungewissen Ausgang beschreibt.

 

CreactionEffectuation
Abbildung: CREACTION – How to act in uncernainty (in Anlehnung an [ScKi12] und [Fasch10])

 

Im Grunde hat es sich mit meinem Lieblingsprojekt vor fast genau sieben Jahren genauso verhalten. Nach einem Focus-TV-Bericht über die schärfste Currywurst in Deutschland und einem zufälligen Einblick in die Einkaufspreise eines bereits existierenden Online-Shops war schnell beschlossen, dass es mehr Sinn hat in den Vereinigten Staaten zu bestellen als hierzulande einzukaufen. Und das Motto „… wenn wir schon beim importieren sind, dann können wir scharfe Saucen auch gleich verkaufen“ war schnell als unternehmerische Vision geboren. Ein Open-Source-Shop wurde aufgesetzt und die erste Palette an scharfen Saucen aus den Vereinigten Staaten bestellt. On-the-fly mussten wir lernen, was es mit Zoll- und Importvorschriften, gerade im Lebensmittelbereich, auf sich hat, welche Regeln im Umgang mit den Behörden existieren und was es bedeutet, mit ausländischen Herstellern zu verhandeln. Marktrecherche, Marketingplan, Umsatzplanung, etc., … alles Quatsch, das brauchten wir seinerzeit nicht.

Es reichte, dass wir heiß auf scharfe Saucen waren und dass die hierzulande erhältlichen Saucen nicht mehr genügten, um uns mit einem viertelstündigen Schluckauf das vorlaute Mundwerk zu stopfen. Und so investierten wir einen mittleren vierstelligen Betrag in die erste Palette. Die Ware kam an, es gingen noch einmal ein paar hundert EUR für Fracht, Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Service drauf und wir konnten loslegen. Die ersten Saucen wurden probiert und natürlich auch verkauft und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie stressig es dann war, mit einem Open-Source-Shop eine ordentliche Rechnung zu erstellen, ohne die permanenten Gefahr im Rücken zu haben, dass der Fiskus den Laden gleich wieder dicht macht combien coute viagra. Lange Rede, kurzer Sinn, Step by Step sowie Trial and Error waren in diesem Fall ein guter Ansatz und wären wir zu Beginn zu analytisch heran, hätten uns wohl nüchterne Zahlen den Spaß verdorben. Dank der richtigen Leute zur richtigen Zeit hat sich die Idee vom Grillen heraus bis heute sehr gut entwickelt und es geht noch weiter. Das also kurz ein Schwank aus der Jugend…, zurück zum eigentlichen Kern des Themas.

Als Creaction könnte man den Prozess der Entwicklung eines Startups bezeichnen, dass mehr auf ACTING & CREATING basiert und weniger auf THINKING & ANALYSIS. Das Denken ist mitunter einer der wesentlichsten Elemente der Kreativität, aber ohne Aktion kann nichts kreiert werden und hier setzt Creaction an. Der Prozess der Creaction besitzt drei Teile, die so oft wiederholt werden, bis ein Ziel erreicht ist oder der Beschluss gefasst ist, die Idee nicht mehr weiter zu verfolgen.

  1. Desire
    Finde oder denke über etwas nach, dass Du erreichen möchtest. Hier braucht es nicht mal großartige Leidenschaft, es kann auch die Lösung eines privaten oder unternehmerischen Problems sein, es braucht lediglich ausreichend Motivation um zu beginnen.
  2. Take a smart step as quickly as you can
    Hier hat es auch wieder eine dreiteilige Logik:
    Act quickly with the means at hand – Agiere schnell mit dem, was Du gerade zur Verfügung hast, z.B. was Du weißt, wen Du kennst oder alles andere, was gerade greifbar ist.
    Stay within your acceptable loss – Stelle sicher, dass die Kosten dieses Schrittes (Zeit, Geld, Image, etc.) nicht höher sind als das, was Du bereit bist zu verlieren.
    Bring others along – Begeistere weitere Menschen um mehr Ressourcen zu akquirieren, streue das Risiko und belege die Qualität Deiner Idee
  3. Build
    Baue auf das auf, was Du gerade gelernt hast. Jeder Aktion verändert die Realität, wenn Du Aufmerksam bist, lernst Du aus diesen smarten Schritten und es bringt Dich mehr als weniger näher zu dem, was Du erreichen möchtest.

Gerade bei der Entwicklung eines Startups mit Blick auf das große Unbekannte scheint mir dieses Vorgehen mehr als nur logisch und sympathisch…, einfach Handeln mit Blick auf die Zukunft, die ich erreichen möchte, nicht allzu sehr über den langen Weg dahin nachdenken. Denken alleine hat die Realität noch nie wirklich verändert. Creaction ersetzt dabei jedoch nicht das logische Nachdenken und gängige Ansätze der Vorhersage von gesellschaftlichen und technologischen Trends, Wettbewerbsverhalten, etc., vielmehr gehen eine sinnvolle (strategische) Planung und Creaction Hand in Hand einher.

In diesem Sinne…, go start, create your or your companies future!